Dr. Inge Richter
Verwaltungsdirektorin
Vielen halleschen Theaterfreunden dürfte sie bestens bekannt sein, obwohl sie nicht im Rampenlicht steht. Doch sie war zwei Jahrzehnte lang als Chefin über Finanzen und Verträge am Thalia-Theater tätig. Und nicht nur das! Immer, wenn "Not am Mann" war, d. h., wenn dem halleschen Kinder- und Jugendtheater mal wieder der Intendant verlorenging - was nicht nur einmal in all den Jahren vorkam - sprang sie ein. Und das erwies sich als keine Notlösung!
Warum sie sich nicht gleich selbst um das Amt bewarb? - Am Theater - so meint Dr. Richter - ist nun mal die Kunst das Wichtigste, und darum muß eine/r an die Spitze, die/der auf dieser Strecke ausgebildet und bewandert ist. Doch kaum weniger wichtig ist, so zu wirtschaften, daß gute Kunst herauskommen kann. Und deshalb braucht es einen versierten Ökonomie- und Verwaltungs-Leiter, der von seiner Sache und vom Theater was versteht. Wenn er schon mal "reingerochen" hat ins Gesamtleitungs-Geschäft - nur gut! Es macht einem dann keiner so schnell etwas vor. "Ich denke, das ist mein Platz. In Sachen Haushalt, Finanzen, in Vertragsangelegenheiten, in all den Bereichen, die man dem Kulturmanagement zurechnet, bin ich 'zu Hause'. Und daß es am nt nicht nur um Theater geht, sondern um eine ganze Kulturinsel, zu der gastronomische Einrichtungen, eine Kunst-Galerie u.a.m. gehören - schreckt mich nicht. Im Gegenteil! Herausforderungen sind immer etwas Reizvolles...
Übrigens hat sie am Thalia sechs Intendanten "überlebt", konnte von den 314 Inszenierungen, die seit Gründung des halleschen Kinder- und Jugendtheaters, 1952, dort herauskamen, fast die Hälfte, nämlich 161 ökonomisch und verwaltungsmäßig betreuen, hat damit Anteil daran, daß eine Million Zweihunderttausend junge Besucher Vergnügen im Theater fanden. Und bei all dem sind viele Millionen Mark durch ihre Hände gegangen.
Inge Richter hat an der halleschen Martin-Luther-Universität Wirtschaftswissenschaften studiert, war dort dann vier Jahre in Lehre und Forschung tätig, hat ihren Doktor gemacht, hätte eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen können... Aber sie wollte in die Praxis. Und Theater schien genau das richtige Feld. Schließlich war sie in der Kunst bewandert - wenn auch ursprünglich auf musikalischem Gebiet. Sie hatte am Konservatorium Klavier studiert; wenn sie nichts an Halle binden würde - Händel könnte da nachhelfen. Daß es sie dann an ein Schauspielhaus verschlug, hat sie nicht bereut.


